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Berchtesgadener Anzeiger vom 17.05.2006


 

....und Mozart tanzte“

Die japanischen Kirschen blühten vor den Fenstern des kleinen Saales im Kurhauses, das Programm der Salzburger verhieß heitere Maistimmung. Doch trotz all dieser guten Voraussetzungen war der kleine Saal des Berchtesgadener Kurhauses bedauerlicher- und unverständlicherweise nur spärlich besetzt. Die Musiker der Terzina Salzburg ließen sich davon nicht beeinflussen, noch weniger die jungen Tänzerinnen der Kindertanzgruppe für historische Tänze vom Musikum Salzburg unter der Leitung von Verena Brunner.

Ihre Freude am Tanzen, an den Kostümen, am Darstellen vor Publikum war ungebrochen zu spüren. Dass natürlich in diesem Mozartjahr auch die ausgesuchten Stücke zu diesem grossen Namen hinführen mussten, ist verständlich, denn bekanntermaßen war Wolfgang nicht nur ein begnadeter Komponist, sondern auch ein Lebenskünstler und begeisterter Tänzer. Und so zitiert die Leiterin der jungen Tänzerinnen Verena Brunner in ihrem neuen Buch „Tanzen mit Mozart“ dessen ersten Biographen Nikolaus von Nissen. Dieser schreibt 1828 über ihn: „Er versäumte weder die öffentlichen Maskenbälle im Theater, noch die Hausbälle bei Freunden.“ Die Berchtesgadener dagegen versäumten an diesem Abend sehr wohl etwas – die wenigen Einheimischen ausgenommen, kamen immerhin von den österreichischen Nachbarn einige Musikfreunde. Man begann mit einem Tanzstück des geistlichen Domherren Pierre Attaignant von 1588 : „Branle des Chevaux“, einem sogenannten Pferdetanz, unschwer an Rhythmus und Choreographie zu erkennen. Was die Tanzgruppe mit Kindern im Alter zwischen 8 und 12 Jahren so bestechend frisch, doch dabei immer konzentriert zeigte, wurde begleitet von der Terzina Salzburg mit Eva Schrempf (Blockflöte, Dudelsack), Ulrike Eckhardt (Mandoline) und Urban Hafenmair (Orgel). Abwechselnd zwischen instrumentalen Stücken und Tanz führte das Programm von der barocken Schwere langsam hin zum Rokoko der zweiten Hälfte des 18.ten Jahrhunderts und damit nach der Pause Schritt für Schritt zum „Titelhelden“ des Abends: Mozart. Er verwendete bekanntermaßen auch Stücke der Volksmusik als Anregung für seine Tanzstücke, und so waren nach der Pause zunächst die Klänge österreichischer und bayrischer Volksmusik zu hören, um dann wieder in den höfischen Stil überzuleiten mit Mozarts Kontratanz „Figaro-Anglaise“. Adäquate Kostüme trugen die Tänzerinnen: im ersten Teil eher bürgerlich einfach die Damen mit Plisserock und Mieder, die Herren (auch sie Mädchen mangels männlicher Darsteller) in Weste, Dreiviertelhose - im zweiten Teil gekleidet wie Damen und Herren der späteren höfischen Gesellschaft: Krinoline, Kniebundhosen, Dreispitz. Was für die Jugend heute die Party ist mit ihren aktuellen Hits, zu deren Klängen man die ganze Nacht auf der Tanzfäche verbringt, das bedeuteten im 18. Jahrhundert die kleinen und grossen Bälle. So ist z.B. ein Brief Wolfgangs an seinen Vater überliefert, in dem er einen kleinen Dialog beschreibt: „So habe ich einen Ball gegeben. Wir haben um 6 Uhr angefangen und um 7 Uhr aufgehört.“ „Was - nur eine Stunde?“ „Nein! Wir haben um 6 Uhr angefangen und am nächsten Abend um 7 Uhr sind wir nach Haus gegangen!“ Dass aber auch die damaligen Tänze einer festen Vorgabe bedurften - damals wie heute, das erzählte die Leiterin der Tanzgruppe Verena Brunner auf die Frage des Berchtesgadener Anzeigers, ob denn die Choreographie dieser Tänze irgendwo überliefert sei. Schon damals sei der Ablauf und die Schrittfolgen in Wort und kommentierten Bildern festgehalten worden. Denn die strengen Schreittänze und Contratänze waren ja Gruppentänze, die genau abgestimmt sein mussten, damit kein Menschensalat, sondern ein harmonisches Bild entstehen konnte. Richtige kleine Geschichten zwischen den Paaren sollten in diesen Bildern vermittelt werden.

Die Zusammenstellung der Instrumente passte genau zu den ausgewählten Stücken und entsprach auch dem damaligen Zeitgeschmack: Orgel, Dudelsack, Flöte, Mandoline. Von den hervorragenden Profimusikern Eva Schrempf, Ulrike Eckhardt (bereits mehrfach unter Nikolaus Harnoncourts in Salzburg) und Urban Hafenmair gespielt, war dies insgesamt ein niveauvolles Programm, das die schöne Maistimmung mit zurück nach Hause brachte.

Friederike Reinbold

 






 

Neue musikalische Formation stellt sich vor

Berchtesgadener Land/Salzburger Land:
Der nicht nur in der Heimatregion bekannte Chorregent und Organist Urban Hafenmair hat sich auf der Suche nach neuen musikalischen Herausforderungen der Kammermusik verschrieben und im benachbarten Österreich zwei renommierte und motivierte Kolleginnen gefunden, mit denen er unter dem Namen Terzina Salzburg auftritt. Nach einigen Veranstaltungen, gibt das Trio auch in Berchtesgaden seine Visitenkarte ab. Nach einem Konzert am 26. Mai im Kur- und Kongresshaus, bei dem auch die erste CD des Ensembles vorgestellt wird, tritt Terzina Salzburg am 27. Mai in einem Benefizkonzert zu Gunsten Misericordia auf.
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Zu den bekannten Blockflötistinnen in Österreich gehört Eva Schrempf. Sie studierte in Graz und kann auf einen Abschluss mit Auszeichnung verweisen.
Dazu erhielt sie auch den Würdigungspreis des Bundesministeriums für Kunst. Neben zahlreichen Kursen in ihrem angestammten Metier, ließ sie sich auch profund in der Beherrschung des Dudelsacks ausbilden. Eva Schrempf gibt Unterricht am Mozarteum in Salzburg und leitet das Jugendensemble »Kanarie«.
Daneben bestimmt eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland ihren Musikeralltag.
Sie leitet das Ensemble für Mittelalter- und Renaissancemusik »Saltarello« und ist wie bei »Terzina Salzburg« auch Gründungsmitglied des Barocktrios »Belladonna«.
In Wien studierte Ulrike Eckardt und hat sich schon da intensiv mit verschiedenen Mandolinentypen und deren Literatur befasst. Das Instrument, das im 18. Jahrhundert Hochblüte erlebte und Modeinstrument der höfischen Gesellschaft war, wird von vielen Komponisten der Moderne wegen seines typischen Klangs immer noch sehr geschätzt.
Die Virtuosin Ulrike Eckardt hat inzwischen in bedeuteneden Konzerthäusern unter namhaften Dirigenten gespielt, beispielsweise an der Wiener Staatsoper mit den Wiener Philharmonikern oder mit den Wiener Symphonikern. In ihrer Heimatstadt Salzburg wirkte sie im Vorjahr in der Festspielproduktion des »Don Giovanni« unter Nikolaus Harnoncourt sowie in Orchesterkonzerten unter Pierre Boulez mit.
Den seit Jahrzehnten an der Stiftskirche und anderswo in Berchtesgaden agierenden Urban Hafenmair vorzustellen, scheint fast überflüssig.
Der gebürtige Berchtesgadener kam nach seinem Studium am Mozarteum Salzburg bereits mit 23 Jahren als hauptamtlicher Kirchenmusiker in die Pfarrei.
Seither hat er sich als musikalischer Gestalter der Gottesdienste, aber auch darüber hinaus in einer umfangreichen Konzerttätigkeit längst einen Namen gemacht.
Beispielsweise auch in Konzerten, in der er sich zu seiner Orgel einen ungewöhnlichen Partner nahm. Als Beispiel seien hier die Orgel-Zither-Konzerte erwähnt. Oft ließ Urban Hafenmair auch zahlreiche Werke aus dem historischen Notenschrank des ehemaligen Augustinerchorherrenstiftes wieder zu neuem Klang kommen.
Im neuen Ensemble spielt Urban Hafenmair auf einer digitalen Truhenorgel, die eine Vielfalt der Klangfarben erlaubt und in der mehrerer historische Stimmungen »ruhen«.
Ulrike Eckardt, Eva Schrempf und Urban Hafenmair spielen in ungewöhnlicher Bestzung vorwiegend Musik des Frühbarock und Barock, aber auch Wiener Klassik bis hin zu moderneren Klängen wie Jazz-Adaptionen oder Beatles-Arrangements.
Zum ohnehin seltenen Klangchor aus Mandoline, Blockflöte und Orgel kommen manchmal auch Töne einer zweiten Orgel und weiterer Instrumente wie Dudelsack hinzu.

Dieter Meister
 

 

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