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| Fembacher | |
Franz Xaver und Johann Baptist Paul Fembacher stammten aus einer alteingesessenen Berchtesgadener Musikerfamilie. Schon Großvater Mathias Fembacher (1672/73 - 1748) war bis 1730 Hoforganist und Musicus. Bei einer "Interrogatio" gibt dieser an: Er sei von Herkunft "Salfeldinis Salisburgensiss" und stehe im 45. Lebensjahr. Seit 24 Jahren sei er in Berchtesgaden als "choralista et organista", seine Aufgaben habe er zu erfüllen bei der Prim, Sext und None, "in missa convenutali, singulis horis vesperi et in completorio, in festibus sollemnioribus in mattutino". Ob er hier Choral sang oder die Orgel spielte, oder sogar beides tat, kann nicht gesagt werden.
Außer ihm werden in dieser Befragung noch aufgeführt:
Wolfgang Köpel, (choralista, tenorista, violinista);
Augustin Peindner (choralista, violinista);
Joseph Bianc (choralista, violinista);
Johann Georg Pell (choralista, tibicen [Flötist] hautboista [Oboist], violinista) und
Caspar Treiber, der bei der Befragung gerade "aegrotat", also krank war.
Vater Franz Mathias Fembacher (1709 - 1773) wurde am 1. Dezember 1709 geboren und immatrikulierte am 6.12.1721 in Salzburg als "logicus". Er war dreimal verheiratet: 1730 mit Maria, Ursula Hilliprandt; in dieser Zeit wird er als Hofmusicus und künftiger Hoforganist bezeichnet; bei seiner zweiten Eheschließung mit Anna Maria Turnegger 1733 bereits als Organist. Seine dritte Ehe ging er als "Hof und Stiftsorganist" mit Caecilia Catharina, der Tochter des Reichenhaller Organisten Franz Joseph Haas ein.
In einem Brief an Fürstpropst Michael Balthasar von Christalnigg vom 6. März 1756 erfahren wir von der Schwierigkeit der Arbeit eines Organisten. Vater Fembacher schreibt: man solle bedenken, "wie mühsam es ist, nebst Coral, bey deme die Stim allemahl anfangen, folglich mehrere Kräfften als die andere dazu anwenden muß, die organisten Stelle absonderlich winters Zeit, zu verrichten, mich zu ybersehung der neu angeschafften Chor und anderen Musicalien verschiedentlich gebrauchen lassen" und bittet, "ihm ein täglich Viertel Bier ... angedeuen zu lassen, welche Hoche Gnad er durch Componierung einiger Kürchen oder anderen MusicaIien ... verabdienen" wolle. Das Bier ist ihm genehmigt worden, von seinen Kompositionen fehlt leider jede Spur.
Aus seiner zweiten und dritten Ehe wurden ihm mindestens zwanzig Kinder geboren, von denen aber die meisten in den ersten Tagen starben. Die Mutter war die Tochter eines Organisten, die musikalische Begabung war den Kindern sozusagen in die Wiege gelegt. Bei ihrem Vater lernten sie wohl die Grundbegriffe der Musiktheorie, des Orgelschlagens und anderer Instrumente. Auch wurden sie sicherlich als Singknaben zur Figuralmusik herangezogen. Seine für uns wichtigsten Söhne sind:
Franz Xaver Fembacher (1750 - ?) wurde am 18. 5. 1750 geboren und war lange Zeit nur durch das Vorhandensein des Offertoriums "Justus ut palma" bekannt. Wo er studierte, ebenso sein Sterbedatum bedarf noch der Forschung. Er erscheint in der Personalliste des Fürstlich Thurn und Tax'schen Hoftheaters in Regensburg als Domorganist von 1771 bis 1783. Dort komponierte er einen Prolog und die Opern "Acis und Galate" (1779), der "Kirchtag" oder "Der Jahr Markt" zusammen mit einer Oper "Bastien und Bastienne" (1780) und "Les Amants reunis"; "Die Wieder Vereinigten Liebhaber" (Aufführung zwischen 1781 und 1786).
Johann Baptist Paul Fembacher (1756 - 1809) er wurde am 30. Juni 1756 geboren. Am 14. 8. 1771 inskribierte er als Rudimentist (2. Gymnasialklasse) an der Universität Salzburg, wo er sicherlich die Musik von Johann Ernst Eberlin, Anton Cajetan Adlgasser, Michael Haydn, Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart kennenlernte. Als sein Vater 1773 starb, dürfte er dessen Stelle übernommen haben.
Zwei Jahre später heiratete er im Alter von 19 Jahren Maria Theresia Praunseiß (1744 - 1820). Hier wird er "wirklicher Hochfürstlicher Hof- und Stiftsorganist" genannt. Seine Frau hinterließ uns das berühmte "Berchtesgadener Eingricht", eine Darstellung der letzten Chorherren in Miniatur aus Wachs.
Ab 1782 übernahm er die "Instruierung derer Versikulanten"; denen er Singen, Orgelschlagen und Violinspielen beibrachte; dafür erhielt er ein Entgelt von 40 fl jährlich. Das Abschreiben von Noten und die Instandhaltung der Orgeln in der Stifts-, Pfarrkirche, in Maria Gern und der beiden "StiftsFligen" (Cembali?), die er mit "Trattsaiten" zu versorgen hatte, brachten ihm einen kleinen Nebenverdienst ein. Ferner erhielten er und die anderen Musiker Geld durch die Accidentien (gestiftete Jahrtage, Hochzeiten, Beerdigungen ... ), dazu kamen noch die Naturalbezüge (Getreide, Holz, Salz, Wein, Bier) und Kleidung.
Nach der Säkularisation wurde die Stiftsmusik aufgelöst; Fembacher behielt seine Stellung als Stiftsorganist, nur hatte er von da an statt des Chorals die Begleitung des "ordentlichen Teutschen Kirchengesanges" auszuführen, wie es in den Pfarrkirchen ohnehin schon üblich war. "Am 4. 5. 1809 starb Johanes Baptist Femdbacher, Hofmusikant allhier, verehelicht., ca 55 Jahre alt, versehen, ... um halb zwei nachmittags an der Girrsucht", lautet der Eintrag in das Matrikelbuch. Er hinterließ 2 Buben und 4 Mädchen.